Mein Traumtyp – Die Geschichte des Bulli T1 bis T6

Bus

Mein Traumtyp wäre ja einer der zupacken kann und nicht zimperlich, aber verlässlich ist. Ich wür­de mit ihm gerne über scheinbar ausweglose Pfade gehen und er soll ankommen, auch wenn ein paar Minuten zu spät, aber er sollte alles ans Ziel brin­gen – ein Bulli eben.

Hier erzähl ich euch eine der schönsten Entstehungsgeschichten der Welt. Denn weil die Welt nicht zu dir nach Hause kommt, muss dein Zuhause eben die Welt werden.

Der Plattenwagen
Ab dem Sommer 1945 benötigte das Volkswagen­werk in Wolfsburg für die interne Logistik einen preiswerten Wagen, mit dem Fertigungsmaterial transportiert werden konnte. Für diesen Plattenwagen wurden vorwiegend Teile vom Käfer verwendet, die gerade produziert wur­den. Die Käfer-Bodengruppe diente als Basis des Plattenwagens und er hatte Käfer-Achsen und Antrieb. Über die Hinterachse wurde ein Fahrerhaus ge­setzt, darunter der 25 PS-Motor. Davor wurde eine Plattform montiert, die als Ladepritsche diente.

Der Volkswagen Typ 2 – Der Bulli T1 (Transporter)
Ab 1948 wurde der erste Bulli entwickelt und ge­baut. Der Plattenwagen war dabei der Ideen Lieferant. Der Entwicklungsauftrag kam von Heinrich Nordhoff, dem damaligen Leiter des Volkwagenwerks in Wolfsburg. Am Anfang wurde der Bulli als Typ 29 bezeichnet (später als Typ 2) und war nach nur einem halben Jahr fahrbereit. Aber leider nicht lange, da das Fahrgestell, das für den Käfer gut war, für den Typ 29 nicht reichte. Die mangelhafte Verwindungsfestigkeit von Fahrge­stell und Karosserie verwandelte jede Kurvenfahrt in ein Abenteuer, von dem man nicht wusste wie es ausgeht.

Die Konstruktion wurde verbessert und bot nach dieser Entwicklung auch die nötige Si­cherheit. Der Bulli verfügte jetzt über eine eigene, verstärkte Bodengruppe. Im November 1949 wur­de dieser Prototyp der Presse und Öffentlichkeit vorgestellt. Der erste Serientransporter rollte im Frühjahr 1950 aus dem Wolfsburger Werk auf die Straße. Der Laderaum ist anfangs nur über zwei Klapptüren auf der rechten Seite zugänglich. Ab Juni 1951 optional auch über ein zweites Paar auf der linken Seite.

Die Motorklappe hinten wird auch Barndoor ge­nannt und gibt lediglich den Blick in die Tiefen des Motorraums frei. Dort befinden sich auch der Tank und das Reserverad. 1955 wurde das Reserverad hinter den Vordersitzen verstaut. Die Motor Klappe schrumpfte um die Hälfte und eine zusätzliche Klappe mit Fenster ermöglichte Zugang zum Lade­raum. In dem Jahr erhielt der Bulli auch seine “Kli­maanlage”. Über einen kleinen Dachüberhang an der Front strömt Frischluft ins Wageninnere. Das Armaturenblech war jetzt durchgängig und ent­hält, wie auch schon zuvor, einen Tachometer und die Kontrolllampen Blinker, Fernlicht, Öldruck und Batterieladung. Ab diesem Zeitpunkt war auch Platz für ein Radio, einen Aschenbecher, einen Haltegriff, eine Zeituhr und eine Tankuhr. Die Tankuhr ermöglichte es dem Fahrer die Menge nicht nur zu erahnen und man musste nicht mehr wie zuvor bei stotterndem Motor den Reservehahnzug unter dem Sitz ziehen.

florian-schreiber-488381-unsplash.jpg

Der Bulli hatte ab jetzt auch an PS zuge­legt, anfangs waren es 25 PS jetzt hatte der Bulli 34 PS. Ab 1963 gab es den Einzelsitz für den Fah­rer und der Bulli hatte ab da an 42 PS und konn­te somit schneller fahren als 100 km/h. Nach über 17 Jahren Bauzeit war dann Schluss. Im Juli 1967 wurde die Produktion der ersten Bulli-Generation in Deutschland eingestellt. In Brasilien wurde der T1 noch bis 2000 produziert. Insgesamt wurden in Brasilien, Mexiko und Deutschland 2,9 Millio­nen Exemplare des T1 produziert (1,82 Millionen in Deutschland; erst in Wolfsburg und ab 1956 in Hannover).

Der im Jahr 1951 vorgestellte Samba-Bus (Typ 24) ist der unangefochtene Star des Transporter-Ensembles. Das Sondermodell hat 25 Fenster, acht bis neun Sitze, ein Faltdach, Aufstellfenster, Zierleisten an Stoßstangen und Schwellen und eine wohnliche Verkleidung im Innenraum. Der Samba war der Bus für Globetrotter, Camper und Hippies. Die Woodstock-Generation liebte den Bus und oft wurde ihm mit Spraydose und Farbe eine persönliche Note gegeben.

Der Bulli T2
Die zweite Generation des Bulli wurde 1967 prä­sentiert. Dieser Transporter ist ein Stück größer (die Karosserie ist länger) und mit einer Schiebetür (serienmäßig) ausgestattet. Die Frontscheibe ist durchgängig (Bay Window) und er besitzt größere Fensterflächen zum Kurbeln. Das Fahrwerk wurde deutlich verbessert mit Doppelgelenk-Hinterachse. Der Motor ist derselbe, nimmt aber weniger Platz ein. Die Luft für die Motorkühlung wird über aus­gestellte seitliche Öffnungen in Fensterhöhe an den hinteren Wagenecken angesaugt. Außerdem besitzt der Bulli T2 ein integriertes Lüftungsgitter für den Innenraum, somit ist die v-förmige Front des Vor­gängers nicht mehr vorhanden und die sichtbarste Neuerung. Auch besitzt er an der Frontpartie unten liegende Blinker, seitliche Trittbretter an der Stoß­stange, sowie eine rundlichere Heckpartie mit ovalen Heckleuchten. Der zweite Bulli bietet auch mehr Sicherheit durch Hüft- und Schultergurte. Die Spitzengeschwindigkeit erhöhte sich auf 110 km/h (47 PS) und ab 1970 steigerte sich die Leistung auf 50 PS. Den T2 gibt es auch in unterschiedlichen Ausstattungsvarianten als Camper Bus von Westfa­lia.

Mit dem Serienanlauf des T2 führte VW kurz­fristig den Namen „Clipper“ (Clipper L für Luxus mit Chromzierrat und Clipper N für Normal ohne) für den gut ausgestatteten Bus ein, der in der Tra­dition des Samba-Bus Sondermodells der T1-Reihe stehen sollte und auch zweifarbig war. Das erste Modell T2a wurde bis 1968 gebaut. Das nächste Modell ist der T2ab und wurde bis 1971 gebaut. Dieser hat größere Rückleuchten und größere Öffnungen zur Luftansaugung des Motors. Außer­dem sind die Blinker beim T2ab rechteckig. In den 1970er Jahren wurde auch ein Elektro-Bulli (T2b) produziert. Das Modell T2c stammt aus Mexiko oder Brasilien. Die T2 Produktion in Deutschland endete 1979. In Hannover liefen rund 3 Millionen T2-Busse vom Band.

brina-blum-275963-unsplash.jpg

Der Bulli T3
Von 1979 bis 1991 wurde die dritte Generation des Bulli produziert. Der T3 wird auch mit Heck­antrieb betrieben und war das erste eigenständig entwickelte Transporter Modell mit größerer Karos­serie und technischen Neuerungen. Der Radstand und die Wagenlänge wurden um 60 mm vergrößert und der T3 ist auch 125 mm breiter als der T2. Der Motorraum ist 200 mm niedriger und so bietet der Kofferraum mehr Platz, auch der Innenraum ist 100 mm höher. Mit 50 PS oder 70 PS blieb die Motorleistung erst einmal unverändert. Der T3 hat eine Schräglenker-Hinterachse, Doppelquerlenker-Vorderachse und Schraubenfedern, die ihn komfor­tabel machen und auch sicherer. Zum ersten Mal gehören Crashtests zu den Standardprüfungen. Zwei Jahre nach der Premiere arbeitet erstmals ein wassergekühlter Dieselmotor im Heck und 1982 hat der Bulli dann einen wassergekühlten Boxermotor und ab 1984 112 PS.

Auch beim T3 gibt es unter schiedliche Modelle zum Beispiel die edle Bus Variante Caravelle ab 1983 oder der Multivan ab 1985 mit Klappsitzbank im Heck, einem Sitz hinter dem Fahrerplatz gegen die Fahrtrichtung, Klapptisch, Innenbeleuchtung und Kühlbox. 1989 kamen dann die Sondermodelle Blue Star und White Star auf den Markt. Ausbauer Nummer eins bleibt Westfalia und bringt mit dem Modell Joker das herausragen­de Campingfahrzeug der 80er Jahre heraus. Dieses Modell bietet eine Klappsitzbank im Heck sowie Küchen- und Schrankzeile in Fahrtrichtung. Es gibt ihn mit vorn öffnendem Aufstelldach und einem markanten Hoch-Dach mit einer Stufe hinter dem Fahrerhaus. 1988 kam dann das Modell California auf den Markt, dieser Bus ist das Joker Modell nur mit abgemilderter Ausstattung. Auf das Modell Ca­lifornia folgte 1989 dann eine verfeinerte Ausga­be des California mit aufwändiger Ausstattung das Modell Atlantic.

tobias-weinhold-521142-unsplash.jpg

Der Bulli T4
Im Jahr 1990 kam der T4 auf den Markt. Er wird nicht mehr unter dem Namen Typ 2 geführt und ist eine kleine Revolution. Er ist von Grund auf neu konstruiert und zeichnet sich durch eine stark überarbeitete, dynamischere Form aus. Der Motor (wassergekühlte Reihenmotor mit einer Leistung von 60 PS bis 110 PS) befindet sich nun vorne und die Landekante kann gesenkt werden. Der Trans­porter hat erstmals eine durchgehende Ladefläche und dank dem Baukastenprinzip ist er sehr flexi­bel. Den T4 gibt es als Caravelle, als Multivan und als California und im Laufe der Zeit wurden immer mehr Sondermodelle rausgebracht wie zum Bei­spiel der California Beach 1996 oder der Jubilä­ums-Bulli California Event. Im Zeitraum von 1990 bis 2002 wurden über 1,8 Millionen Fahrzeuge produziert. 2003 lief der letzte T4 vom Band.

huib-scholten-484517-unsplash.jpg

Der Bulli T5/T6
2003: Die fünfte Generation des Bulli kommt und verfügt wie der Vorgänger auch über einen Frontmotor und Vorderradantrieb. Er ist mit Automatikgetriebe und Allradantrieb erhältlich. Die Seitenwände werden aus einem einzigen Blechteil ge­presst, somit gibt es keine senkrechte Naht zwi­schen den Blechteilen mehr. Der Schalthebel ist in die Schalttafel verlegt und betätigt das Getriebe über Seilzüge. Das Fahrzeug wird im Volkswagen­werk Hannover und im polnischen Posen gebaut. Im Herbst 2009 überarbeitete VW den T5 und verpasste ihm einen Facelift mit neuen, breiteren Scheinwerfern, neu geformtem Kühlergrill, Stoß Fängern und Rückspiegeln. Es gab auch Neuerun­gen bei der Technik und im Innenraum.

Das zweite Facelift erfolgte 2015 und damit auch die Umbenennung in T6. Es gab optische Änderun­gen an der Motorhaube, den vorderen Kotflügel, Stoßfängern, den Scheinwerfern und Rückleuchten sowie der Heckklappe. Im Innenraum gab es ein neues Armaturenbrett, ein neues Lenkrad sowie neue Assistenz- und Informationssysteme. Des Wei­teren wurden das Fahrwerk und die Geräuschdäm­mung verbessert.

rawpixel-267074-unsplash.jpg

Der neue alte
2015 feierte der T1 65. Geburtstag und das Ge­schenk von Volkswagen ist – natürlich im Retro Feeling – das Sondermodell „Generation Six“. Der auf Basis des Multivan Comfortline produzierte VW ist in Anlehnung an den T1 zweifarbig lackiert und so­mit ein echter Hingucker. Der Bus ist mit sieben Sitzen ausgestattet und hat 150 PS. Er besitzt se­rienmäßig LED-Scheinwerfer und die dezent ver­änderte Motorhaube sowie eine tiefere Bugschürze lassen die Front mit den Chromdetails lässig ausse­hen. Auch einen ganz eigenen Charme verbreiten die Leichtmetallräder im Retrodesign.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s